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Mitglied der Jury 2017

Sunčica Fradelić (Kroatien)

Ich bin in Osijek, Kroatien, geboren. Während meiner Kindheit habe ich in vielen Städten gelebt, es ging quer durch Ex-Jugoslawien, über Zagreb, Ljubljana, Pančevo, Belgrad und Split. Mein ganzes Leben lang habe ich es genossen, Ideen mit Hilfe von visueller Sprache zu hinterfragen und auszudrücken.

Ich habe Malerei an der Kunstakademie in Split studiert und parallel an Filmkursen teilgenommen, die im historischen Kino Klub Split (KKS) stattgefunden haben. Der KKS ist ein Verein, der aus Menschen besteht, die das Kino lieben, darüber etwas lernen wollen und Filme jeglicher Art schaffen oder ansehen wollen. Der Klub existiert nun bereits seit 65 Jahren. Als ich 2003 dem Klub beitrat, durchlebte er eine langanhaltende Krise aufgrund des Krieges, des Raumverlusts, den veränderten Technologien, sowie des Mangels an Nachwuchs und finanziellen Mitteln. Angetrieben durch meine Neugier und das Verlangen, einen Ort (wieder-) zu erschaffen, an dem alle Menschen ungeachtet ihrer sozialen Herkunft frei denken und unter guten Bedingungen nachdenken, forschen und kreativ sein können, engagierte ich mich immer stärker in der Organisation und Entwicklung des Klubs.   

Nach meinem Abschluss 2006 begann ich in der Abteilung für Film und Video an der Kunstakademie in Split zu arbeiten und ein paar Jahre später leitete ich offiziell den Kino Klub Split. Zu dieser Zeit knüpfte ich auch erneut an die vorhergehenden Filmemachergenerationen an und interessierte mich immer mehr für ihre einzigartige Vorgehensweise, forschte intensiv im Archivmaterial und versuchte gleichzeitig, Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitglieder zu suchen, indem ich Angebote wie die Einführung neuer Programme in Form von Workshops, Kursen, Seminaren, Filmvorführungen usw. schuf. Des Weiteren baute ich audio-visuellen Fertigungskapazitäten auf, ergänzte die Ausrüstungen, einschließlich der Bereitstellung eines kleinen 8-mm- und 16-mm-Labors – all dies dank der tollen Unterstützung meiner Kollegen.

2011 verlor ich meine Anstellung in der Kunstakademie aufgrund starker Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Lehrmethoden. Im gleichen Jahr nahm ich an einem Workshop von Bela Tarr teil und wurde zu arbeitete mit an dem Projekt „The Film Factory“ *, das von Anfang 2013 bis 2017 in Sarajevo stattfand. Es handelte sich um ein Doktorandenprogramm im Bereich Regie. Die Hauptzielsetzung bestand darin, die Talente und die Herangehensweise und das individuelle Bewusstsein der neuen Generationen zu schützen und weiterzuentwickeln, und dies nicht durch Unterricht, sondern indem man ihrer Fantasie freien Lauf lässt und ihre unverfälschten und persönlichen Visionen unterstützt. Die Herangehensweise dieses Projekts entsprach eher einem experimentellen Labor, als einem klassischen pädagogischen System. Im Laufe dieser 4 Jahre hatten wir die Gelegenheit, mehrere internationale Autoren kennenzulernen und uns mit ihnen auszutauschen.

Meiner Meinung nach befindet ist das Amateurkino eine separate Produktionskategorie, aber ich bin davon überzeugt, dass die Tatsache, ein Autor zu sein, völlig unabhängig ist von der Kategorie, in der man produziert. Ich glaube, dass Geld im Rahmen einer Filmproduktion nur ein Werkzeug darstellen sollte. Ein Filmautor sollte sich nicht von kommerziellen Regeln manipulieren lassen. Er muss immer darauf beharren, einen Weg zu finden, seine Entscheidungsfreiheit zu wahren und über seine Art zu arbeiten zu entscheiden. Wenn man als Amateurfilmer mit Liebe, Aufmerksamkeit und Hingabe arbeitet, sollte man als professioneller Filmemacher auch in der Lage sein, das zu tun, unabhängig von den Bedingungen. Die Verantwortung liegt bei uns und ich bin davon überzeugt, dass die Freiheit, seine Ideen auszudrücken, so wie man es wünscht, nicht kompromittiert werden darf.

- Sunčica Fradelić

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Membre du Conseil International du Cinéma, de la Télévision et de la Communication Audiovisuelle auprès de l'UNESCO
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