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Der Präsident berichtet über die UNICA 2014


Dezember 2014

Portrait of Georges Fondeur.

Liebe Filmfreunde,

Photo of Dom Umenia in Piestany.Das 76. UNICA Weltfestival  in Piestany (Slowakei) kannte einen schönen Erfolg. 120 Filme sorgten für Spannung, und 230 Teilnehmer für eine kollegiala und freundschaftliche Atmosphäre. Piestany war in der Tat eine Entdeckung, mit seinen Kur- und Parkanlagen, seinem Fluss, seiner gemütlichen Fussgängerzone mit einladenden Terrassen, sowie grosszügige Hotelbetriebe.

Das ganze Programm verlief nach Plan, einzig und alleine gestört durch das Ausbleiben einiger Länder ohne Vorankündigung. Abgesehen von kleinen organisatorischen Pannen verlief der Kongress in Piesrtany zu allgemeiner Zufriedenheit. Zuzana Skoludova und ihr kleines Team vor Ort, mit der tatkräftigen Unterstützung von Wolfgang Freier, hatte schon alle Hände voll zu tun um den hohen Erwartungen, die nach der Jubiläumsausgabe in Fieberbrunn entstanden waren, in etwa gerecht zu werden. Das Rahmenprogramm mit den Ausflügen nach Bratislawa, in und um Piestany, sowie das Kulturprogramm zum Schluss der Preisverleihung waren vom Feinsten. Vielen herzlichen Dank an das OK.

Abgesehen von einigen Zwischenfällen verlief die Generalverammlung der Delegierten harmonisch. Alle Berichte wurden diskussionslos angenommen, das Boykott von Armenien wurde zur Kenntnis genommen. Der Antrag Armeniens auf Absetzung des amtierenden UNICA Komitees und sofortigen Neuwahlen wurde einstimmig von den Delegierten aus 25 Ländern abgelehnt. Richtig unruhig  wurde es dann bei der Vergabe der UNICA 2016.

Part of the promotion for Suceava,Seit langem war  gewusst dass Suceava in Rumänien Kandidat war und in 2013 gab es auch für die dortigen Ausrichter ein Versprechen auf Zusage. Dann kam doch überraschend einige Wochen zuvor die Bewerbung der Stadt Blasko aus der Tchechischen Republik, die mit Nachdruck die Ausrichtung des Kongresses des Jahres 2016 für sich in Anspruch nahm. Nach einer längeren Unterbrechung in der z.T. heftige  Diskussionen zwischen den Bewerbern geführt wurden, wobei Ehrenpräsident Max Hänsli, leider umsonst, zu schlichten versuchte, musste schlussendlich und unseren Regularien entsprechend, der Zuschlag an Rumänien gehen.

Für das Jahr 2017 wurde die Kandidatur Deutschlands, Austragungsort wahrscheinlich die Stadt  Dortmund, einstimmig angenommen.

Was nun das berühmte Reformpapier anbelangt das aus der Feder von Art Hovanessian stammt und in dem sowohl strukturelle wie auch organisationstechnische Neuerungen gefordert werden, erging lediglich an das Komitee der Auftrag sich selbst mit den zu ergreifenden Massnahmen zu befassen.  So soll ein Synthesepapier, auf Konsens getrimmt, erstellt werden dass darauf hinzielt, die UNICA für die Zukunft bestens aufzustellen. Leider kannte der Versuch, eine grössere Meinungsbildung hierzu durch Befragen der einzelnen Verbände zu erzielen, nicht das erhoffte Resultat. Dies bewegte dann auch den Sonderbeauftragten Kees Tervoort sein Amt niederzulegen. In der Tat, einzig und alleine Frankreich und, in geringerem Masse Italien, vertraten die Meinung dass die UNICA von Grund auf neu aufgestellt werden sollte, während eine Mehrheit der anderen Länder z.T.diametral anderer Meinung war.

Diese und andere Themen bestimmten dann auch unsere Komiteesitzung, die vom 5.-9. November 2014 in Esslingen, auf Einladung von Bernhard Lindner, Vize-Präsident des BDFA und seiner Frau Brigitte, stattfand. Im Hotel Traube fanden wir dann beste Arbeitsbedingungen. Hier die wichtigsten Punkte unserer Agenda in Kurzform:

Beim Debriefing zur UNICA 2014 wurden zwei wesentliche Punkte zurückbehalten. Es fehlte während eines Grossteils der Veranstaltung an Kommunikation im Saale. Ein Moderator, ähnlich wie in Fieberbrunn, hätte auch hier Wunder gewirkt. Desweiteren fehlte es in der Hauptsache im Frontoffice an Personal sowohl am Eröffnungstag für die Ausgabe der Unterlagen, wie auch während den folgenden Tage für mehrsprachige aktuelle Informationen, bis hin zur Rückgabe der Filmprogramme an die Delegierten am Schlussabend. Die Technik, auch fast nur ein Einmannbetrieb, liess zum Glück kaum Wünsche übrig. Daraus soll die Lektion gezogen werden dass der UNICA Kongress vorwiegend, am besten sogar ausschliesslich an Städte vergeben werden soll, wo es einen aktiver Filmclub gibt der viel freiwillige Arbeit zu leisten vermag. Das Komitee nahm mit Genugtuung zur Kenntnis dass die Organisation finanziell im Rahmen des Budgets blieb.

Ein nicht unwesentlicher Punkt beschäftigte sich mit der Problematik Plagiat und Professionalität der Filme im Wettbewerb. Auf Grund der Wichtigkeit und Komplexität dieser Thematik und in Abwesentheit einiger Komiteemitgllieder, wird dieser Punkt auf unsere Frühjahrssitzung 2015 vertagt.

Bereits jetzt wurde zurückbehalten dass alle Kategorien von Filmbeiträgen und die Vergabe von Preisen beibehalten wird, i.e, die Zahl der Medaillen.

Photo of Dom  Umenia in Piestany.Entsprechend dem Wunsch einer Mehrheit von Verbänden hat das Komitee einer Herabsetzung der Altersgrenze für die Kategorie Jeunesse, also Jugendfilme, von 25 auf 18 Jahre, wie auch für die Autoren der Kategorie Filmschule und Young Professionals von 30 auf 25 Jahre zugestimmt.

2015 wird ein Wahlkongress wo das ganze Komitee für die nächsten drei Jahre neu bestimmt wird. Eines steht bereits jetzt fest. Einige Mitglieder werden nicht mehr antreten. Zu gegebener Zeit wird das Generalsekretariat sich schriftlich an die Verbände richten auf dass diese ihre Kandidaten vorschlagen können.

Einstimmig wird als dann Bernhard Lindner als neues Komiteemitglied kooptiert. Seine Hauptaufgabe besteht darin sich mit der immer komplexer werdenden Juryproblematik zu befassen, sowohl was die Kandidaturen für die Jury, ihre Zusammensetzung wie auch ihr Aufgabengebiet während des Festivals betrifft. Diese Aufgabe wird von Bernhard in enger Zusammenarbeit mit Rolf Leuenberger und Dave Watterson ausgeführt.

Desweiteren zeigte sich das Komitee doch gewissermassen besorgt um das Abhalten der UNICA 2015 in St. Petersburg, dies unter anderem auch wegen der augenblicklichen  politischen Lage. Sorgen bereiten auch das Ausstellen von Einreisevisen für alle Länder, die neuen Bestimmungen in Bezug auf die Zahlungs- und Kreditkarten, sowie nicht zuletzt eventuelle Einschränkungen in punkto künstlerischen Ausdrucksfreiheit in Autorenfilmen, dies auf Grund der neuen russischen Gesetzgebung zum Schutz der Jugendlichen in Sachen Erotik und Gewalt in den Filmen. Auf diese und andere Fragen erwarten wir vom Ausrichter aus St. Petersburg klare und unmissverständliche Antworten und zwar vor Ende des auslaufenden Jahres. Wir wünschen von ganzem Herzen dass alle diesbezügliche Probleme zu unserer Zufriedenheit gelöst werden können. Es wäre niemanden gedient, sollte sich das Missgeschick Korea 2013 zwei Jahre später wiederholen.

Jedenfalls wird das Komitee dafür Sorge tragen alle Verbände auf dem Laufenden zu halten sobald sich Neues ergeben sollte. Das Komitee vergass auch nicht unseren Gastgebern Brigitte und Bernhard herzlich für ihre Zuvorkommenheit und ihre Unterstützung zu danken.

Die nächste Komiteesitzung wird im kommenden Mai im rumänischen Suceava stattfinden, dies angesichts der Tatsache dass das UNICA Festival 2016 eben in dieser Stadt ausgetragen werden wird.

Luxemburg, im Dezember 2014.
Georges Fondeur

Membre du Conseil International du Cinéma, de la Télévision et de la Communication Audiovisuelle auprès de l'UNESCO
All information is presented in good faith. 

Alle Informationen ist in gutem Glauben präsentiert.
Toutes les informations sont présentées en toute bonne foi.
Image credits: Photo of Dom Umenia by Oskar Siebert. Photo of the young publicists for Suceava by Jan Watterson